18. September 2026 · 5 Min Lesezeit

Das Ferienhaushandbuch: Achtzig Seiten Hinweise, eine Waschmaschine die niemand versteht, und die Frage ob man die Bettwäsche selbst wechseln soll

Handgezeichnete Kinderbuch-Szene: Ein dicker Willkommens-Ordner liegt aufgeschlagen auf dem Ferienhaus-Küchentisch, mit bunten Post-its. Murmeli sitzt daneben mit einer Lupe und studiert eine Seite mit kleinen Diagrammen. Grummeli lehnt verschränkten Arms am Stuhl, Espresso daneben, leicht skeptischer Blick.

Das Ferienhaushandbuch ist das erste Dokument, das man im Urlaub in der Hand hält, und das letzte, das man vor der Abreise nochmal aufschlägt. Dazwischen liegt es meistens auf dem Küchentisch und wird ignoriert — ausser in dem Moment, in dem man es braucht.

Es ist kein Kunstwerk. Es ist ein laminierter Ordner mit einem handgeschriebenen Deckblatt und einer Unterweisung zur Mülltrennung. Aber in diesem Ordner steckt eine Menge Erfahrung: alles, was ein Vermieter über sein Haus weiss, zusammengefasst für Menschen, die das Haus noch nie gesehen haben und in einer Woche alles selbst herausfinden müssen. Das ist eigentlich eine erstaunliche Idee. Man liest es trotzdem meistens zu spät.

Abschnitt 1

Der erste Eindruck

Man kommt an. Man trägt die Koffer rein. Man schaut sich kurz um. Irgendwann landet der Blick auf dem Ordner. Er liegt oft auf dem Küchentisch, manchmal auf dem Esstisch, in seltenen Fällen auf dem Sofa. Er ist dicker als erwartet. Der Vorsatz lautet: später lesen. Der tatsächliche Ablauf ist: man legt ihn zur Seite, jemand fragt nach dem Wlan-Code, man öffnet den Ordner, findet den Code auf Seite drei, schliesst den Ordner, legt ihn wieder hin. Das war der erste Kontakt. Es werden noch weitere folgen, verteilt über die gesamte Urlaubswoche, meistens dann, wenn ein Problem aufgetreten ist, für das die Lösung vermutlich auf Seite siebzehn steht, zusammen mit einer handgezeichneten Skizze des Sicherungskastens.

Grummeli kommentiertIch habe den Ordner vollständig gelesen. Neunzig Minuten nach Ankunft. Er enthält 42 nummerierte Punkte, davon 11 mit Unterpunkten. Punkt 37 erklärt, dass der Backofen zehn Minuten vorgeheizt werden muss. Das steht auch auf dem Gerät. Ich sage das zur Vollständigkeit.

Abschnitt 2

Die Waschmaschine

Die Waschmaschine ist ein eigenes Kapitel. Fast immer. Manche Vermieter schreiben einen halben DIN-A4-Zettel darüber, mit Diagrammen. Das Gerät ist ein Modell, das es seit zwanzig Jahren nicht mehr neu gibt. Es hat Knöpfe, deren Bedeutung sich nicht aus der Beschriftung ergibt. Es hat einen Zusatzsperrmechanismus, der nach dem zweiten Waschgang aktiviert werden muss. Es hat eine Anmerkung: „Bitte das Flusensieb nach jedem Mal reinigen — Standort: links unten, Abdeckung aufdrehen." Man findet das Flusensieb. Man findet die Abdeckung. Man öffnet die Abdeckung, und es kommt eine kleine Menge Wasser raus, die niemand erwartet hat. Das steht auf Seite neun. Man hatte bis dahin nur bis Seite fünf gelesen.

Grummeli kommentiertDas Flusensieb war voll. Nicht wegen uns — wir sind erst heute angekommen. Ich habe es trotzdem gereinigt und den Zustand dokumentiert. Für den Abreisecheck.

Abschnitt 3

Die Regeln

Das Ferienhaushandbuch enthält immer Regeln. Ruhestunden: 22 bis 8 Uhr. Kein Grillen nach 21 Uhr. Bitte keine Schuhe im Haus. Den Kompost in die braune Tonne, Plastik sortieren, Glas in den Container beim Supermarkt. Das sind keine schlechten Regeln. Das sind vernünftige Regeln für ein Haus, in dem jede Woche andere Menschen wohnen. Man liest sie. Man hält sich meistens daran. Manchmal vergisst man eine, und jemand erinnert einen beim Frühstück, und dann weiss man es wieder. Das Interessante ist nicht die Regel selbst, sondern warum sie da steht. Hinter fast jeder Regel steckt eine Geschichte. „Bitte keine nassen Badesachen auf die Holzmöbel" ist ein Satz, der sich aus Erfahrung erklärt. „Den Schlüssel bitte immer von innen abziehen" auch. Man weiss nicht genau, was passiert ist. Man hält sich trotzdem dran.

Grummeli kommentiertIch habe die Regeln kategorisiert: 14 Nutzungsregeln, 8 Entsorgungshinweise, 6 Sicherheitshinweise, 3 Hinweise zu Nachbarn, 4 sonstige. Die Nachbarschaftsregeln sind am ausführlichsten. Das sagt etwas.

Abschnitt 4

Der Abreisecheck

Am letzten Tag kommt der Abreisecheck. Das ist eine Liste. Sie beginnt meistens mit „Bitte sorgen Sie dafür, dass" und enthält dann sieben bis fünfzehn Punkte. Geschirr gespült und weggeräumt. Kühlschrank geleert und Tür angelehnt. Fenster zu. Rollläden runter. Schlüssel auf den Tisch oder in den Briefkasten. Abfalleimer geleert. Das Haus so übergeben, wie man es vorgefunden hat. Das ist ein fairer Satz. Er ist auch ein Satz, der unterschiedlich interpretiert wird. Manche putzen abends noch einmal durch. Manche machen das Nötigste. Manche verhandeln am Morgen, wer welchen Punkt übernimmt, und diese Verhandlung zieht sich länger hin als das eigentliche Putzen. Am Ende steht man im Auto, jemand fragt, ob die Fenster wirklich alle zu waren, und für einen Moment ist niemand ganz sicher.

Grummeli kommentiertIch habe eine Abfahrts-Checkliste erstellt. Auf Basis des Ordners, Seiten 38 bis 41. Alle Punkte abgehakt. Die Fenster waren zu. Ich war der letzte, der das Haus verlassen hat. Ich habe es zweimal geprüft.

Abschnitt 5

Was bleibt

Das Ferienhaushandbuch ist nicht schön. Es ist nie schön — es ist immer ein bisschen zu lang, ein bisschen zu eng gedruckt, ein bisschen ramponiert von den Wochen davor. Aber es enthält alles, was man braucht. Den Wlan-Code. Die Notfallnummer. Den Weg zum nächsten Arzt. Den Hinweis, dass die Dusche eine Minute braucht bis sie warm wird. Den Namen der Vermieterin und die Bitte, sich bei Fragen zu melden. Das ist kein Handbuch für ein Produkt. Es ist ein Handbuch für ein Haus, das jemand gebaut oder eingerichtet hat, das er kennt und schätzt, und das er für eine Woche an Menschen weitergibt, die es zum ersten Mal sehen. Die Regeln, die Hinweise, die Skizzen — das alles ist eine Art Gespräch. Man führt es mit jemandem, der nicht vor Ort ist. Man antwortet, indem man die Regeln hält. Das klingt nach mehr als es ist. Aber es ist auch genau das.

Grummeli kommentiertDer Ordner hatte eine Bewertungskarte für das Haus. Ich habe sie ausgefüllt. Fünf Sterne für Ausstattung. Vier für Sauberkeit — das Flusensieb. Ich habe eine schriftliche Anmerkung hinterlassen. Freundlich formuliert.

Was das mit gemeinsamer Planung zu tun hat

Ein Ferienhaushandbuch ist im Grunde ein geteiltes Dokument — ein Vermieter schreibt es, mehrere Familien lesen es, alle arbeiten damit. Das klingt nach planaway. Nicht weil planaway Hausordnungen verwaltet, sondern weil geteilte Information den Urlaub ruhiger macht: Wer den Wlan-Code, die Notfallnummer und den Mülltrennnungsplan schon vor Ankunft kennt, steht am ersten Abend nicht vor dem Ordner und sucht.

Bei planaway lässt sich genau das in den Reise-Notizen ablegen — für alle sichtbar, auf allen Geräten. Das ersetzt das Handbuch nicht. Aber es bedeutet, dass nicht jeder selbst nachschlagen muss. Und das Flusensieb putzt trotzdem Grummeli.

Murmeli liest aufmerksam das Willkommensheft

Murmeli hat den Ordner gelesen. Murmeli hat alles Wichtige ins Trip-Notizbuch übertragen. Murmeli empfiehlt: Wlan-Code zuerst, Flusensieb-Hinweis auf später.

Grummeli hält Buch mit Abreise-Checkliste