Das Souvenir ist eines der eigenartigsten Phänomene des Familienurlaubs. Man braucht es nicht. Man hat keinen konkreten Plan dafür. Und trotzdem geht man in den Laden, und trotzdem kommt man mit etwas heraus. Manchmal mit drei Dingen. Manchmal mit fünf.
Es ist kein Luxus und kein Versehen. Das Souvenir ist ein Ritual. Es gehört zum Urlaub wie das erste Abendessen am Ankunftstag, wie das Familienphoto an der Sehenswürdigkeit, wie die Diskussion darüber, was man heute Abend isst. Man tut es, weil man es macht. Und weil der kleine Laden am Marktplatz nun mal da ist und offen hat.
Abschnitt 1
Der Laden, der alles hat — ausser dem, was man sucht
Souvenirläden haben eine eigene Logik. Sie führen dreissig Varianten desselben Kühlschrankmagneten, sieben verschiedene Schneekugeln und vier Regalmeter Schlüsselanhänger — aber das eine Ding, das man sich vage vorgestellt hatte, findet sich nicht. Das macht nichts. Man kauft trotzdem etwas. Das ist die Eigenart des Souvenirladen-Besuchs: Man geht ohne konkreten Plan hinein und kommt mit drei Dingen heraus, von denen man höchstens eines wirklich wollte. Die anderen beiden kaufte man, weil sie gerade daneben lagen, weil das Kind fragte, oder weil der Preis niedrig genug war, um nicht weiter nachzudenken.
Dreissig Magneten, keiner zeigt den Ort, an dem wir gerade sind. Einer zeigt Venedig. Wir sind in Bayern. Das wurde nicht weiter kommentiert.
Abschnitt 2
Was ein Souvenir leisten soll — und was es wirklich tut
Die Idee hinter dem Souvenir ist schön: ein kleines Objekt, das an eine Reise erinnert. Ein Beweis, dass man dort war, dass etwas erlebt wurde, dass der Urlaub real war und nicht nur ein verschwommenes Gefühl. In der Praxis tut das Souvenir folgendes: Es liegt drei Monate auf dem Fensterbrett. Dann wandert es in eine Schublade. Dann findet es jemand beim Aufräumen, schaut kurz verwundert, und stellt es wieder hin — an einen anderen Platz. Irgendwann ist es einfach da, ohne dass noch jemand weiss, woher es kam. Das ist kein Versagen des Souvenirs. Es hat seinen Zweck erfüllt: Es hat kurz an etwas erinnert. Das war genug.
Der Magnet hängt seit zwei Jahren am Kühlschrank. Woher er stammt, weiss ich nicht mehr. Ich vermute: irgendwo warm.
Abschnitt 3
Das Kind und das Souvenir-Budget
Kinder haben ein ausgeprägtes Gespür dafür, was im Souvenirladen am meisten kostet. Es ist nicht das Günstigste, und es ist auch nicht das Vernünftigste — es ist das, was am auffälligsten leuchtet, am lautesten Geräusche macht oder am grössten ist. Ein aufblasbarer Plastikhammer. Eine Schneekugel in der Grösse eines Kopfs. Ein Plüschtier, das aussieht wie das Maskottchen des Ortes, aber aus unklarem Material besteht. Das Souvenir-Budget, das die Familie zu Beginn des Urlaubs festgelegt hat — fünf Franken pro Kind, das reicht — erweist sich als verhandlungsfähig. Nicht durch lautes Quengeln, sondern durch ausdauerndes Halten des Wunschgegenstands und einen fragenden Blick. Das ist eine wirkungsvolle Technik.
Das Souvenir-Budget gilt für maximal vier Minuten. Dann verhandelt das Kind neu. Das Kind gewinnt meistens.
Abschnitt 4
Das Problem mit dem Kofferraum
Souvenirs kommen in zwei Kategorien: die, die man problemlos in den Koffer packt, und die, die man beim Kauf nicht konkret zu Ende gedacht hat. Zur zweiten Kategorie gehören Schneekugeln (Glasbruch), grosse Keramiken (ebenfalls Glasbruch), Flaschen mit Flüssigkeiten (Handgepäck-Problem), Gemälde auf Leinwand (zu gross für jeden Koffer) und aufblasbare Plastikgegenstände (lassen sich deflationieren, aber dann verlieren sie den Charme). Die Heimreise mit solchen Souvenirs ist ein Logistikproblem. Man wickelt die Schneekugel in die eigene Fleecejacke, die man deshalb nicht mehr tragen kann. Man klemmt das Keramikding zwischen die Schuhe. Man hofft, dass nichts kippt. Meistens geht es gut. Manchmal hört man im Kofferraum ein leises Klirren.
Die Schneekugel hat die Heimreise überlebt. Meine Jacke riecht jetzt nach Glitzerwasser. Ich sage nichts.
Abschnitt 5
Das Souvenir für andere: das unmögliche Geschenk
Wer auf Reisen ist, bekommt manchmal Aufträge: Bring etwas mit für Oma. Für die Nachbarn. Für die Arbeitskollegin. Das klingt einfach — es ist nicht einfach. Denn was bringt man mit? Etwas Essbares hält vielleicht nicht die Heimreise. Etwas Nützliches gibt es zuhause auch. Etwas Schönes ist eine Geschmacksfrage. Man kauft am Ende einen Kühlschrankmagneten für jeden und hofft, dass die Empfänger grundsätzlich Kühlschrankmagneten mögen. Die meisten tun so, als ob. Manche haben schon fünfzehn davon, schweigen aber höflich. Das Souvenir als Mitbringsel ist keine Gabe — es ist ein Signal: Wir haben an euch gedacht. Das ist die eigentliche Botschaft, und die kommt an.
Ich habe sechs Magneten mitgebracht. Drei für Menschen, die ich wirklich mag. Drei, weil ich nicht sicher war, ob ich sie mag oder nicht, und es auf Nummer sicher ging.
Das Souvenir als stiller Beweis
In zehn Jahren wird jemand in der Familie eine Schublade aufmachen und einen Schlüsselanhänger finden, der nicht mehr in Gebrauch ist. Auf der Rückseite steht ein Ortsname. Vielleicht erinnert man sich sofort, vielleicht erst nach einem Moment, vielleicht nie ganz. Aber kurz wird etwas aufflackern — ein Sommer, ein Pool, ein Laden mit dreissig Magneten und keinem davon vom richtigen Ort. Das ist das Souvenir. Es kostet wenig. Es macht keinen grossen Unterschied. Und trotzdem ist es irgendwie da.
Bei planaway lässt sich auch der Souvenirladen-Besuch vorplanen — wer ein Budget mitbringt, wer was für wen kauft, wer darauf achtet, dass die Schneekugel gut verpackt nach Hause kommt. Kleine Dinge. Aber die kleinen Dinge sind es, die man sich merkt.

Murmeli hat seinen Magneten. Er zeigt einen Ort, den er nie besucht hat. Er findet ihn trotzdem schön.

