Das Strandpicknick ist eine der romantischsten Ideen des Familienurlaubs — und eine der aufwändigsten. Man packt, man trägt, man baut auf, man isst mit Sand in allem, und am Ende fragt man sich, warum man nicht einfach ins Restaurant gegangen ist. Und dann fragt das Kind, ob man morgen wieder kommt, und man sagt ja.
Picknick am Strand klingt nach Leichtigkeit. Es ist auch das — aber erst wenn man aufgehört hat, die Kühltasche zu optimieren, die Decke festzuhalten und die Möwe im Auge zu behalten. Der Moment, in dem man das loslässt, ist der Moment, auf den es ankommt. Das Brot schmeckt besser draussen. Das ist keine Metapher. Das ist einfach wahr.
Abschnitt 1
Die Vorbereitung
Die Idee zum Strandpicknick kommt am Vorabend. «Das ist doch viel schöner als jeden Tag ins Restaurant», sagt jemand, und alle nicken. Am nächsten Morgen beginnt man deshalb früh mit dem Packen — deutlich früher als geplant, weil Packen für ein Picknick eine eigene Logistik ist. Man braucht Brot, aber das Brot ist noch nicht aufgetaut. Man braucht Käse, aber der Käse liegt tief im Kühlschrank hinter den Getränken. Man braucht die Kühltasche, die irgendwo im Kofferraum liegt und nach dem langen Anreisetag noch nicht ausgeräumt wurde. Man braucht Servietten. Man findet keine. Man nimmt Küchenpapier. Das wird reichen. Das reicht immer.
Ich habe am Vorabend eine Liste erstellt. Sie umfasste neunzehn Punkte. Gefragt wurde ich nach der Liste nicht. Drei Punkte fehlen. Ich weiss welche.
Abschnitt 2
Der Transport
Die Kühltasche ist schwerer als erwartet. Das liegt daran, dass jemand «für alle Fälle» die grosse Thermoskanne eingepackt hat, sowie eine zweite Thermoskanne «für den Kaffee danach». Dazu kommen vier Wasserflaschen, weil man am Strand dehydriert, das hat man irgendwo gelesen. Die Kinder tragen die Strandtücher und die Luftmatratze, was bedeutet, dass die Kinder zehn Meter vorauslaufen und die Erwachsenen mit dem Rest hinterherkommen. Der Strandweg ist länger als er auf der Karte aussah. In der Mitte des Weges fragt jemand, ob man die Sonnencreme eingepackt hat. Man hat sie eingepackt. Sie liegt unter beiden Thermokannen. Man hält kurz inne und packt weiter.
Das Gesamtgewicht der Kühltasche betrug schätzungsweise neun Kilogramm. Ich habe sie getragen. Ich sage das, damit es dokumentiert ist.
Abschnitt 3
Das Aufbauen
Man findet eine gute Stelle. «Dort, bei den Felsen, da ist etwas Schatten» — alle sind einverstanden. Man breitet die Decke aus, und sofort weht der Wind eine Ecke hoch. Man legt die Wasserflasche auf die Ecke. Der Wind hebt eine andere Ecke. Man legt die Kühltasche darauf. Die Decke liegt jetzt flach, weil sie so beschwert ist, dass man kaum noch darauf sitzen kann. Die Kinder haben unterdessen die Badesachen angezogen und möchten ins Wasser. Man erklärt, dass man zuerst isst. Die Kinder sehen das anders. Man einigt sich auf zehn Minuten Wasser, dann essen. Fünfzehn Minuten später isst man alleine, die Kinder sind noch im Wasser.
Zehn Minuten waren vereinbart. Ich habe nicht gemessen. Ich weiss trotzdem, dass es mehr waren.
Abschnitt 4
Das Essen
Das Brot ist gut. Das ist die wichtigste Erkenntnis des Picknicks: Essen schmeckt draussen anders, besser, ehrlicher. Der Käse hat etwas Sonnenwärme abbekommen und ist weicher als zuhause. Das Tomaten-Sandwich hat Saft abgegeben und ist entsprechend feucht, aber wer draussen isst, trägt das klaglos. Die Kinder sind aus dem Wasser und essen mit nassen Händen, was bedeutet, dass alles leicht salzig ist — das Sandwich, das Küchenpapier, die Apfelscheiben. Der erste Bissen hat ein wenig Sand. Der zweite auch. Ab dem dritten hat man aufgehört, das zu bemerken. Die Möwe, die seit zehn Minuten über dem Picknick kreist, landet drei Meter entfernt und beobachtet die Lage. Man beobachtet die Möwe. Es ist ein Gleichgewicht.
Ich habe meinen Anteil des Sandwichs zur Hälfte gegessen und dann abgebrochen. Nicht wegen der Möwe. Ich hatte einfach genug. Das ist eine inhaltliche Entscheidung, keine Niederlage.
Abschnitt 5
Das Aufräumen
Das Aufräumen eines Strandpicknicks dauert länger als das Picknick selbst. Man muss die Decke schütteln, was bedeutet, dass Sand auf die Nachbarn weht und man sich entschuldigt. Man muss die Kühltasche wieder befüllen, aber jetzt gibt es mehr Müll als Essen, und der Müll passt nicht in die Tasche hinein. Man wickelt die Reste in das feuchte Küchenpapier und steckt sie in eine der Plastiktüten, die jemand «für alle Fälle» mitgenommen hatte. Diese Plastiktüte ist der einzige vollständig eingepackte Gegenstand vom Vorabend. Das Strandpicknick ist vorbei. Die Kinder fragen sofort, ob man morgen wieder kommt.
Ich habe die Decke zusammengefaltet. Sie liegt jetzt anders gefaltet als sie vorher war. Ich weiss, wo der Sand ist. Er ist überall.
Was das Picknick eigentlich ist
Ein Strandpicknick ist kein Mittagessen. Es ist eine gemeinsame Entscheidung, etwas aufwändiger zu machen als nötig — und darin liegt der Witz. Man hätte auch einfach Eis kaufen können. Aber dann hätte niemand die Möwe beobachtet, niemand hätte Sand im Sandwich gehabt, und niemand hätte am Abend gesagt: «Das war eigentlich ganz schön.»
Bei planaway lässt sich das Picknick vorher abstimmen: Strand oder Schatten? Thermoskanne oder Eiskaffee unterwegs? Wer trägt die Kühltasche, wer organisiert den Müll? Kleine Fragen, aber je früher sie geklärt sind, desto weniger muss man sie auf halbem Weg zum Strand mit neun Kilogramm in der Hand beantworten.

Murmeli hatte das Sandwich eingewickelt, die Möwe im Blick und die Obstschüssel gesichert. Murmeli hat alles richtig gemacht. Murmeli hat trotzdem Sand im Fell. Das ist in Ordnung.

