31. August 2026 · 5 Min Lesezeit

Die Radtour: Wenn alle Rad fahren wollen, nur nicht alle gleich weit

Handgezeichnete Kinderbuch-Szene: Vater auf wackeligem Leihrad mit schwerem Rucksack, Mutter entspannt auf E-Bike, zwei Kinder mit kleinen Rädern, Murmeli auf Mini-Fahrrad mit Karte und Trillerpfeife, Grummeli sitzt mit Kaffee auf einem Meilenstein und schaut ihnen hinterher

Die Idee war einfach: ein schöner Tag auf dem Fahrrad, frische Luft, Landschaft, ein Café irgendwo in der Mitte. Was folgte, war eine gemeinschaftliche Erfahrung mit E-Bike-Debatten, Kartenlesen, einer Verirrung, drei Pausen und einer Eidechse. Am Ende war es trotzdem schön. Aber anders schön als geplant.

Die Familien-Radtour ist eine eigene Kunstform. Sie braucht keinen perfekten Plan, keine optimale Route, kein einheitliches Tempo. Sie braucht nur genug Wasser, ein Ziel, das auch ein Café hat, und die Bereitschaft, beim ersten Gegenwind umzuplanen. Meistens findet man dann etwas, das man nicht geplant hatte — und das ist oft das Beste.

Abschnitt 1

Die E-Bike-Frage

Beim Fahrradverleih gibt es zwei Kategorien: normale Räder und E-Bikes. Die E-Bikes kosten mehr. Einer in der Gruppe findet das unnötig — es sei ja flach hier, sagt er und schaut kurz auf die Karte, ohne die Höhenlinien zu beachten. Eine andere sagt, sie nimmt ein E-Bike und schaut dabei sehr ruhig und entschieden drein. Die Kinder wollen die bunten Räder. Der Mann mit der Karte nimmt ein normales Rad. Drei Kilometer später, beim ersten Anstieg, fährt die Frau mit dem E-Bike gemächlich und lächelt. Der Mann schiebt. Die Kinder schauen auf die Frau. Der Mann sagt, er hätte es auch gewusst, wenn er die Karte richtig angeschaut hätte.

Grummeli kommentiertEr hat eine halbe Stunde über E-Bike-Kosten gesprochen. Er hat das E-Bike dann beim zweiten Anstieg gemietet.

Abschnitt 2

Die Route

Vor der Abfahrt gibt es eine kurze Diskussion über die Route. Einer will die lange Runde — 38 Kilometer, an einem Dorf vorbei, mit Abstecher zum See. Eine andere schlägt die kurze Runde vor — 12 Kilometer, direkt zum Café mit Aussicht, dann zurück. Man einigt sich auf die mittlere Runde — 22 Kilometer, eigentlich machbar, und das Café liegt auf dem Weg. Was man dabei nicht bedacht hat: Die mittlere Runde hat zwei Abschnitte ohne Schatten, einen ungepflasterten Feldweg und eine Steigung, die auf der Karte harmlos aussieht und in der Realität 80 Höhenmeter in einem Kilometer bedeutet. Das ist auf einer Karte schwer zu sehen. Man sieht es dann beim Fahren.

Grummeli kommentiertDie mittlere Runde war ein Kompromiss. Kompromisse sind meistens das Schlechteste aus beiden Welten.

Abschnitt 3

Das Tempo

Familien fahren nicht mit einem Tempo. Die Erwachsenen haben ein Tempo. Die Kinder haben ein anderes Tempo — auf flachen Abschnitten überraschend schnell, an Steigungen plötzlich sehr langsam und gesprächig. Das Gesprächige passiert immer dann, wenn man eigentlich oben ankommen möchte. Man fährt im Konvoi, was bedeutet: Einer voraus, einer hinten, die Kinder irgendwo in der Mitte, meistens nebeneinander, was auf schmalen Feldwegen interessant ist. Alle paar Kilometer eine Pause. Die Pausen sind länger als die Fahrabschnitte, aber die Pausen sind auch die schönsten Momente — man steht am Wegrand, trinkt Wasser, schaut auf Felder, und die Kinder finden eine Eidechse.

Grummeli kommentiertWir waren 40 Minuten unterwegs. Davon 18 Minuten Pausen. Die Eidechse war tatsächlich beeindruckend.

Abschnitt 4

Die Verirrung

Irgendwo zwischen Kilometer sieben und neun biegt man falsch ab. Das passiert nicht dramatisch — man folgt einem Schild, das in eine Richtung zeigt, und stellt drei Minuten später fest, dass die Strasse in einen Hof führt. Man dreht um. Man diskutiert kurz, welches Schild das richtige war. Einer hat die Karte auf dem Handy, aber der Akku ist bei 18 Prozent. Man einigt sich auf die Variante, die nach Gefühl stimmt. Das Gefühl stimmt meistens. Manchmal stimmt es auch nicht — dann fährt man 600 Meter auf einem Schotterweg, den niemand gewollt hat, und findet am Ende trotzdem die Hauptstrasse. Die Kinder finden das gut. Die Kinder finden alles abenteuerlich, was Erwachsene als Fehler bezeichnen würden.

Grummeli kommentiertDer Handy-Akku war bei 18 Prozent. Wir haben 14 weitere Fotos gemacht. Dann war er bei 4 Prozent.

Abschnitt 5

Das Café

Das Café existiert. Es hat Tische draussen mit Sonnenschirm, Limonade, selbstgemachten Kuchen und eine Katze, die unter den Stühlen schläft. Man kommt an, stellt die Räder an die Wand, setzt sich hin und trinkt etwas Kühles. Die Kinder essen Kuchen. Die Erwachsenen sitzen einfach. Niemand redet viel. Man ist etwas müde, etwas verschwitzt, und die Aussicht ist genau so, wie sie auf dem Foto aussah, das jemand vor Wochen in einer Gruppe geteilt hatte. Das ist der Moment, für den man gekommen ist. Nicht für die 22 Kilometer. Für die zehn Minuten am Tisch, an dem man ankommt.

Grummeli kommentiertDas Café hatte genau einen Sonnenschirm. Wir waren zu siebt. Wir haben uns arrangiert. Die Katze hat das nicht kommentiert.

Was die Radtour über Familien verrät

Wer eine Radtour mit der Familie übersteht, übersteht die meisten anderen Ausflüge auch. Unterschiedliche Tempos, spontane Pausen, kleine Irrwege — das sind keine Fehler. Das ist, wie Familien unterwegs sind. Man kommt gemeinsam an. Manchmal später als geplant. Manchmal auf einem anderen Weg. Aber meistens am richtigen Café.

Bei planaway kann man solche Ausflüge im Voraus abstimmen — wer kommt mit, wie weit soll es gehen, wer braucht ein E-Bike. Bevor man losradelt, weiss man schon, wer bei der E-Bike-Frage wie antwortet. Das spart Diskussionen an der Kasse beim Fahrradverleih. Vielleicht.

Murmeli mit Fahrrad und Karte

Murmeli hat die Route geplant. Er hat auch ein E-Bike genommen. Er sagt, es sei für die Kinder — aber er fährt bergauf immer an allen vorbei.

Grummeli trinkt Kaffee nach der Radtour