Minigolf ist keine Sportart. Das ist wichtig, das vorauszuschicken. Minigolf ist eine Freizeitaktivität mit Schläger, Ball und achtzehn Bahnen, von denen jede in etwa drei Minuten gespielt werden kann — ausser wenn jemand anfängt, es ernst zu nehmen. Dann dauert es länger.
Der Minigolfplatz ist ein besonderer Ort. Er ist meistens etwas ausserhalb, hat einen kleinen Kassenhäuschen, einen Geruch nach gemähtem Kunstrasen, und eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Freizeitpark und Dorfgemeinschaft liegt. Man kommt nicht wegen des Golfs. Man kommt wegen des Nachmittags.
Abschnitt 1
Der Entscheid
Es ist Nachmittag. Das Wetter ist gut, aber nicht gut genug für den See. Jemand schlägt Minigolf vor. Die Idee wird sofort begrüsst — von den Kindern, weil Minigolf immer gut klingt, und von den Erwachsenen, weil es eine Aktivität ist, die eine klare Anfangszeit, eine klare Endzeit und einen festen Preis hat. Man fährt zum Minigolfplatz. Dort gibt es eine Kasse, einen Ständer mit Schlägern in verschiedenen Längen und eine Schüssel mit Bällen in zu vielen Farben. Die Kinder wählen ihre Farbe mit der gleichen Ernsthaftigkeit, die man sich von der Wahl wichtiger Lebensentscheidungen erhofft. Der Kleinste nimmt Gelb. Der Grössere nimmt auch Gelb. Das gibt kurz Reibung. Man einigt sich: Einer nimmt Orange. Es ist ein guter Start.
Ich hätte Gelb gewollt. Ich habe Blau genommen. Blau verliert hier eindeutig statistisch.
Abschnitt 2
Die erste Bahn
Die erste Bahn ist gerade. Das ist gut. Man erklärt den Kindern kurz, wie man den Schläger hält, wie man anvisiert, wie man ruhig bleibt. Die Kinder hören ungefähr bis zur Hälfte zu und schlagen dann einfach los. Der Ball rollt am Loch vorbei. Dann rollt er zurück, weil die Bahn leicht abfällt. Er bleibt einen halben Meter vor dem Loch stehen. Das ist ein gutes Ergebnis für den ersten Schlag. Ein Erwachsener schlägt als nächstes. Der Ball läuft präzise am linken Rand des Lochs vorbei und fällt in die kleine Rinne daneben. Man holt ihn raus. Man legt ihn zurück. Das zählt als Strafschlag oder nicht, je nach Auffassung. Die Auffassungen gehen auseinander. Man beschliesst, es nicht zu werten. Das ist die erste und einzige einstimmige Entscheidung des Abends.
Erste Bahn, erster Regelstreit. Das ist Weltrekord. In einer schlechten Kategorie.
Abschnitt 3
Die Technik
Bis zur fünften Bahn hat jeder seine eigene Schlagtechnik entwickelt. Der Vater kauert leicht in den Knien, visiert mit der linken Hand nach und atmet vor dem Schlag tief aus — eine Methode, die er nirgends gelernt hat und die trotzdem genau zwei von fünf Malen funktioniert. Die Mutter schlägt locker aus dem Handgelenk und erzielt damit gleichmässig mittelmässige Ergebnisse, was sie nicht weiter stört. Das ältere Kind hat entdeckt, dass man den Ball mit etwas Kraft gegen die Seitenwand spielen kann, sodass er von dort abprallt — eine Technik, die an Bahn sechs kläglich scheitert und an Bahn neun überraschend brilliant funktioniert. Das jüngere Kind schlägt geradeaus und rennt dann neben dem Ball her. Ob das regelkonform ist, fragt niemand mehr.
Ich habe keine eigene Technik. Ich habe eine Methode, die ich als Technik verkaufe. Das ist ein Unterschied.
Abschnitt 4
Die Scorekarte
Jemand führt Buch. Das ist eigentlich keine bewusste Entscheidung, sondern ergibt sich daraus, dass die Scorekarte mitgegeben wurde und man sie ausfüllen wollte. Nach sieben Bahnen enthält die Karte: echte Schlagzahlen, eine Zahl, die nachträglich korrigiert wurde und jetzt unleserlich ist, eine Bahn, die vergessen wurde einzutragen, und einen Eintrag für das jüngere Kind, der nur aus einem Strich besteht, weil niemand mehr genau weiss, wie viele Schläge es gemacht hat. Der Eintrag zählt trotzdem. Das jüngere Kind führt nach sieben Bahnen mit Abstand. Das liegt hauptsächlich an der Buchführung.
Der Bleistift war zu kurz zum sauberen Schreiben. Das erklärt einiges, aber nicht alles.
Abschnitt 5
Das Ende
Die achtzehnte Bahn ist eine, bei der der Ball durch eine Röhre geführt wird und auf der anderen Seite herauskommt. Keiner weiss, wohin er danach rollt. Er rollt nach links, obwohl man intuitiv rechts erwartet hätte. Beide Kinder machen Hole-in-One. Das passiert nicht, weil sie die Bahn richtig gelesen haben, sondern weil der Ball nach links rollt und das Loch links ist. Man trägt es trotzdem ein. Es ist ihr Abend. Am Ende rechnet jemand zusammen. Das Ergebnis wird kurz diskutiert — eine der Zahlen stimmt wahrscheinlich nicht — und dann legt man die Scorekarte auf den Rückgabetisch. Die Schläger gehen in den Ständer. Die Bälle in die Schüssel. Die Kinder fragen, ob man nächstes Mal wieder Minigolf spielen kann. Man sagt ja. Man meint es auch so.
Ich habe verloren. Laut Scorekarte. Ich akzeptiere das Ergebnis nicht, aber ich akzeptiere, dass ich es laut sage.
Was Minigolf eigentlich ist
Minigolf ist eine dieser Aktivitäten, die man als Kind liebt, als Teenager uncool findet, und als Erwachsener mit eigenen Kindern plötzlich wieder gut findet. Nicht weil man sich verändert hat. Sondern weil man jetzt derjenige ist, der die Scorekarte führt. Das verändert die Perspektive.
Bei planaway lässt sich auch der Minigolf-Ausflug abstimmen: welcher Platz, welcher Nachmittag, ob man danach noch ein Eis kauft. Bevor man losfährt, weiss man schon, wer die Scorekarte führt und wer dagegen sein wird. Wahrscheinlich dieselbe Person. Aber man kann es trotzdem planen.

Murmeli hat die Scorekarte geführt. Er hat alle Ergebnisse korrekt eingetragen. Alle. Auch die strittigen. Vor allem die strittigen. Er hat eine Trillerpfeife. Er ist berechtigt.

