Der Oktober ist der Monat, in dem der nächste Sommer anfängt. Nicht draußen, sondern im Familienchat. Irgendjemand hat einen Frühbucherrabatt gesehen, und ab diesem Moment gibt es zwei Lager: die, die jetzt planen wollen, und die, die finden, dass man das „doch nicht im Oktober“ macht. Beide haben ein bisschen recht. Und beide machen es sich schwerer als nötig.
Früh planen heißt nicht, alles festzulegen. Und spontan bleiben heißt nicht, gar nichts zu entscheiden. Der Streit zwischen Frühbuchern und Team Spontan ist meistens gar kein Streit über den Zeitpunkt. Er ist ein Streit darüber, wer entscheidet, und darüber, in welcher Reihenfolge.
Abschnitt 1
Die erste Nachricht
Sie kommt jedes Jahr ungefähr zur selben Zeit. Die Sommerbräune ist weg, die Herbstferien sind vorbei, draußen ist es um sechs dunkel. Und dann, an einem Mittwochabend, steht im Familienchat: „Wir sollten langsam an den Sommer denken.“ Darunter ein Link zu einem Ferienhaus in Kroatien. Die erste Reaktion ist ein Daumen. Die zweite Reaktion ist: „Jetzt schon?“ Die dritte Reaktion kommt nicht, weil die dritte Person den Chat stummgeschaltet hat. Die Nachricht ist trotzdem in der Welt. Ab jetzt ist der Sommer offiziell ein Thema, und er wird es bleiben, bis jemand bucht.
Datum der ersten Sommer-Nachricht: 7. Oktober. Abstand zum Sommer: 268 Tage. Ich habe den Absender markiert. Er weiß noch nicht, dass er ab jetzt für alles verantwortlich ist, was im Juli schiefgeht.
Abschnitt 2
Die Frühbucher-Tabelle
Drei Tage später gibt es eine Tabelle. Sie hat vierzehn Ferienhäuser, aufgelistet nach Preis, Entfernung zum Strand, Anzahl der Schlafzimmer, Bewertungsschnitt und „Frühbucherrabatt bis“. Sie hat bedingte Formatierung. Grün heißt gut, rot heißt teuer, gelb heißt „Pool, aber nicht beheizt“. Die Person, die die Tabelle gebaut hat, erklärt sie beim Abendessen. Die Erklärung dauert länger als das Abendessen. Am Ende fragt ein Kind, ob eines der Häuser einen Hund hat. Das ist keine Spalte. Es wird eine Spalte.
Spalten in der Tabelle: 17. Davon relevant für die Kinder: 1, nachträglich eingefügt. Der Urheber hat für die Tabelle drei Abende gebraucht. Ich hätte ihm einen davon gern mit dem Laptop über den Kopf zurückgegeben.
Abschnitt 3
Team Spontan
In jeder Familie gibt es mindestens eine Person, die findet, dass man im Oktober noch keinen Sommer planen muss. „Wir schauen im Frühjahr mal“, sagt sie. „Last Minute ist doch eh billiger.“ Das ist eine Haltung, die etwas Entspanntes hat, und manchmal funktioniert sie sogar. Für eine Familie mit schulpflichtigen Kindern in der Hauptsaison funktioniert sie eher selten. Im Mai ist dann noch ein Haus frei. Es liegt an einer Ausfallstraße, hat ein Schlafzimmer weniger als gebraucht und Fotos, auf denen auffällig oft der Himmel zu sehen ist und erstaunlich wenig vom Haus.
Team Spontan hat im letzten Jahr am 14. Mai gebucht. Ausblick laut Inserat: ‚Meerblick‘. Tatsächlicher Ausblick: ein Supermarktparkplatz mit einem Stück Blau dahinter. Ich habe das Foto ausgedruckt. Es hängt jetzt über Team Spontans Bett.
Abschnitt 4
Die Ferienkalender
Spätestens wenn eine zweite Familie mitfahren soll, wird es ernst. Denn die zweite Familie wohnt in einem anderen Bundesland, oder in einem anderen Kanton, und ihre Sommerferien liegen woanders. Man legt die beiden Ferienkalender nebeneinander und sucht die Überschneidung. Sie beträgt neun Tage. Neun Tage, von denen einer ein Samstag ist, an dem alle anderen auch anreisen, und einer ein Sonntag, an dem alle anderen auch abreisen. Die Frage ist plötzlich nicht mehr „wohin“, sondern „wann überhaupt“. Und diese Frage hätte man eigentlich zuerst stellen sollen, noch vor der Tabelle mit den vierzehn Ferienhäusern.
Ferienhäuser in der Tabelle: 14. Davon in den neun gemeinsamen Tagen verfügbar: 3. Davon mit Hund: 0. Ich habe dem Urheber angeboten, die übrigen 11 Zeilen für ihn zu löschen. Mit Gefühl. Einzeln.
Abschnitt 5
Die Anzahlung
Und dann, irgendwann, ist da ein Haus, das allen gefällt. Es ist in den neun Tagen frei, es hat genug Zimmer, es hat sogar einen Hund in der Nachbarschaft. Jetzt muss nur noch jemand auf „Buchen“ klicken und dreißig Prozent anzahlen. Und plötzlich wird es sehr still im Chat. Denn wer bucht, ist ab jetzt verantwortlich. Für das Wetter, für den Pool, für die Nachbarn, für die Matratzen. Wochenlang wollten alle mitreden. Jetzt möchte niemand die Kreditkarte zücken. Am Ende bucht die Person, die im Oktober die erste Nachricht geschrieben hat. Natürlich.
Personen, die eine Meinung zum Ferienhaus hatten: 7. Personen, die bereit waren zu buchen: 1. Personen, die sich im Juli über die Matratzen beschweren werden: 6. Ich habe die Liste schon angelegt. Mit Unterschriftenfeld.
Was die Frühbucher-Frage mit gemeinsamem Planen zu tun hat
Die meisten Sommerplanungen scheitern nicht am Ferienhaus, sondern an der Reihenfolge. Erst wann, dann wohin, dann wie: Wer zuerst die gemeinsamen Tage klärt, spart sich die Tabelle mit den elf Häusern, die ohnehin nicht passen. In planaway stimmt ihr genau so ab, eine Frage nach der anderen, alle Mitreisenden mit eigener Stimme. Und damit die Entscheidung nicht wochenlang im Chat versandet, gibt es den Zustimmungs-Timer: Wer sich nach 48 Stunden nicht gemeldet hat, ist einverstanden. Das ist fair. Und es ist erstaunlich motivierend.
Die Person, die im Oktober die erste Nachricht schreibt, ist übrigens nicht das Problem. Sie ist die einzige, die anfängt. Man sollte ihr dankbar sein. Und ihr dann die Tabelle wegnehmen.

Murmeli fragt zuerst: Wann habt ihr alle Zeit? Der Rest ergibt sich dann fast von allein.

