Noch bevor die Rückfahrt geplant ist, weiß jede Person in der Familie schon, wie sie ablaufen wird. Leider weiß jede eine andere Version davon. Der Fahrer stellt sich Ruhe vor. Das Kind stellt sich Abenteuer vor. Der andere Erwachsene denkt an die ganz praktischen Dinge. Und die Person, die lieber am Ort bleibt, hofft insgeheim, dass man einfach noch eine Woche bleiben könnte.
Die Erwartung an die Rückfahrt sagt mehr über die Person aus als über die Fahrt selbst. Und das ist das Schöne daran: Jede Person kann am Ende überrascht sein — auf ihre eigene Weise.
Version 1
Die hoffnungsvolle Person: Zug um Zug nach Hause
Die hoffnungsvolle Person stellt sich vor, dass alle am Anreisetag so erschöpft sein werden, dass auf der Rückfahrt einfach alle schlafen. Die ganze Familie. Friedlich. Geräuschlos. Vielleicht ein Podcast im Hintergrund, aber eher so als würde er mitlaufen, nicht weil jemand ihn wirklich hört. Man könnte sich sogar unterhalten — mit dem anderen Fahrer oder einfach vor sich hin, ohne dass jemand "MOM, WAS IST DENN SCHON WIEDER LOS?" rufft. Die Rastplätze würden zügig gehen: Toilette, Kaffee, weiter. Keine dramatischen Diskussionen über Fastfood. Alle steigen aus, strecken sich, alle steigen wieder ein. Pünktlich ankommen. Vielleicht noch Zeit für eine Waschstraße vor dem Heimfahren.
Ich habe das auch gedacht. Am Tag eins. Jetzt bin ich schlauer.
Version 2
Die organisierte Person: Die Rückfahrt ist ein Projekt
Die organisierte Person hat bereits einen Plan: Vier Rastplatz-Stopp — jeweils exakt 20 Minuten. Ein festes Mittagessen-Fenster. Die Route ist ausgedruckt. Die Pausen sind blockiert. Sie hat sogar schon überlegt, wo die Toilettenzeit sein wird — nicht am Anfang (zu kurz hintereinander) und nicht am Ende (zu nervig, wenn alle müssen). Sie hat Snacks in Portionen gepackt. Getränke auch. Sie hat eine Playlist vorbereitet, die ungefähr so lange läuft wie die Fahrt, plus Puffer. Die Route führt über bekannte Rastplätze, keine Überraschungen. Sie hat der Familie sogar schon erklärt, wie die Rückfahrt ablaufen wird. Die Familie hat zugehört, nickt, und wird es trotzdem ganz anders machen.
Der Plan ist wertvoll. Die Realität ist flexibler. Das ist nicht schlecht — es ist nur anders. Aber den Plan zu haben beruhigt trotzdem.
Version 3
Das Kind mit Erwartungen: Alles andere als die Hinfahrt
Das Kind erinnert sich an die Hinfahrt. Es war lang. Es war langweilig. Es hat sich nicht gelohnt, weil man ja erst ankommen muss. Aber jetzt, auf der Rückfahrt, ist es anders! Jetzt könnte man endlich den Film schauen, den man auf der Hinfahrt nicht schauen durfte (weil man ankommen musste, weil man frisch sein musste, weil ...). Jetzt könnte man die Snacks essen, die Mama immer sagt "das sparen wir uns für unterwegs". Jetzt könnte man auch einfach fernsehen, ohne dass es "eine Verantwortung" ist. Und dann die Rastplätze! Auf der Hinfahrt waren Rastplätze kurz. Auf der Rückfahrt darf man Zeit haben. Villeicht sogar den Spielplatz? Das Kind stellt sich vor, dass die Rückfahrt ein richtiger Familientag wird — nicht nur Fahren, sondern auch Zeit zum Erleben. Das Kind hat recht. Das Kind hat auch ganz vergessen, dass die Rückfahrt genauso lang ist wie die Hinfahrt.
Das Kind denkt daran, dass auf der Rückfahrt alles anders ist als auf der Hinfahrt. Das Kind vergisst dabei, dass beide gleich lang sind. Das Kind ist trotzdem glücklich mit dieser Logik.
Version 4
Die realistische Person: Jemand wird das Auto absperren wollen
Die realistische Person weiß aus Erfahrung, dass mindestens eine Person das Auto absperren wird wollen — sei es am ersten Rastplatz, sei es, weil Spannung entsteht. Sie plant nicht dagegen, sondern mit dieser Realität. Sie weiß auch, dass die erste Stunde zwar gut geht, aber irgendwann wird das "Sind wir schon da?" kommen. Sie erwartet es nicht böse, sondern einfach als Teil der Strecke. Sie weiß, dass die Musik, die sie sich überlegt hat, spätestens bei Kilometer 50 nicht mehr genug sein wird. Sie bringt Alternativen mit. Sie erkennt auch, dass der Kaffee-Stopp der andere Person genau dann sein wird, wenn das Kind nötig hat, und plant dafür Puffer ein. Sie ist nicht pessimistisch — sie ist erfahren.
Realismus ist nicht Pessimismus. Realismus ist: Es wird anders, als ich dachte, und ich bin bereit dafür.
Version 5
Die Person, die lieber am Ort bleibt: Warum nicht einfach noch ein paar Tage?
Die Person, die lieber am Ort bleibt, weiß, dass die Rückfahrt nicht das Beste an der Reise ist. Auch nicht das Zweitbeste. Sie stellt sich vor, dass man einfach noch ein paar Tage bleiben könnte. Die Heimfahrt wäre dann später. Oder gar nicht. Oder man könnte die letzte Nacht noch im Ferienhaus verbringen, und die Rückfahrt wäre dann am nächsten Morgen. Man würde nicht gehetzt sein. Man könnte die Rückfahrt entschleunigen. Aber nein: die Wirklichkeit sagt, dass der Montag kommt, dass die Arbeit anfängt, dass das Haus leerstand, dass die Katze auf die Katzenbetreuung wartet. Also wird die Rückfahrt sein wie immer — als ein Schritt zurück in die normale Welt, nicht als freudiger Abschluss der Reise.
Ich habe auch schon überlegt, ob man einfach bleiben könnte. Irgendein Mensch muss aber arbeiten. Dann kann ich nur hoffen, dass die Rückfahrt schnell geht.
Was das mit Planung zu tun hat
Die Erwartungen an die Rückfahrt sind so unterschiedlich wie die Menschen, die im Auto sitzen. Der eine hofft auf Ruhe, der andere auf Unterhaltung. Eine kurze Abstimmung in planaway, bevor die Rückfahrt offiziell wird, kann Überraschungen vermeiden — und Enttäuschungen auch.
Du kannst auch einfach alle Erwartungen notieren, ohne sie sofort zu wertschätzen. Manche davon lösen sich auf dem Rastplatz von selbst. Die anderen kann man dann gemeinsam lösen. Oder man lässt die Rückfahrt einfach so ablaufen, wie sie ablaufen will. Manchmal ist das das beste.

Murmeli erwartet von der Rückfahrt weniger als von der Anreise. Murmeli weiß aber auch: Mit der richtigen Musik und den richtigen Pausen wird es auch auf der Rückfahrt schön. Murmeli ist realistisch und hoffnungsvoll zugleich.

