8. Oktober 2026 · 5 Min Lesezeit

Die Herbstferien: Fünf Tage, drei Wetterlagen und ein Kofferraum, der für drei Wochen gepackt wurde

Handgezeichnete Kinderbuch-Szene an einem grauen Herbsttag vor einem kleinen Ferienhaus, bunte Blätter wirbeln durch die Luft. Das rote Familienauto ist für fünf Tage absurd überladen: Auf dem Dach türmen sich ein Holzschlitten, ein gestreifter Sonnenschirm, Schwimmringe, drei Paar Gummistiefel, ein Picknickkorb und mehrere Koffer. Ein Elternteil stemmt ein Knie in den Kofferraum, um den Deckel irgendwie zuzubekommen, das andere liest eine handgeschriebene Liste, die sich bis über den Boden abrollt. Ein Kind springt jubelnd in einen Laubhaufen, der Teenager im Kapuzenpulli schaut skeptisch in den Himmel. Murmeli trägt einen langen roten Strickschal und hält ein Körbchen Kastanien, daneben steht Grummeli mit Espresso und Klemmbrett und mustert den Gepäckberg ausdruckslos.

Herbstferien sind die kleinen Geschwister der Sommerferien. Sie sind kürzer, das Wetter ist launischer, und man fährt meistens nicht weit weg. Genau deshalb wären sie eigentlich die entspannteste Reise des Jahres — wenn nicht jemand versuchen würde, das ganze Sommerprogramm in fünf Tage zu falten.

Das Problem ist nicht die Kürze. Das Problem ist der Vergleich. Im Kopf läuft der Sommerurlaub mit, mit seinen langen Abenden und seinem großzügigen Zeitpolster. Fünf Oktobertage fühlen sich dagegen knapp an, und Knappheit macht Menschen nervös. Nervöse Menschen schreiben Listen. Die Listen werden lang. Und plötzlich hat man einen Kurzurlaub, der sich anfühlt wie eine Dienstreise mit Kindern.

Abschnitt 1

Der Kofferraum

Der Herbst ist die einzige Jahreszeit, für die man alles einpacken muss. Das ist zumindest die Theorie der Person, die packt. Es könnte warm werden, also Sonnencreme. Es könnte regnen, also Gummistiefel. In den Bergen könnte der erste Schnee fallen, also der Schlitten. Der Schlitten passt nicht in den Kofferraum. Er kommt aufs Dach, zu den Schwimmringen, die auch mitmüssen, weil das Hotel ein Hallenbad hat, das auf den Fotos von 2019 noch geöffnet war. Am Ende schließt der Kofferraum nur, wenn sich ein Erwachsener mit vollem Körpergewicht draufsetzt. Man fährt los. Für fünf Tage. Hinten im Auto sitzt ein Kind, das nur eine Sache wirklich mitnehmen wollte: einen Stock, den es am Vortag gefunden hat. Der Stock darf nicht mit. Kein Platz.

Grummeli kommentiert mit EspressoMitgeführte Gegenstände: 74. Davon benutzt: 9. Der Schlitten hat die Reise auf dem Dach verbracht, wie ein Sarg auf einem Leichenwagen. Passend, denn er wird nie wieder benutzt.

Abschnitt 2

Das Programm

Im Sommer hat man drei Wochen. Da verteilt sich ein Programm von selbst. In den Herbstferien hat man fünf Tage, und irgendjemand in der Familie hat beschlossen, dass das kein Grund ist, weniger zu machen. Auf der Liste stehen: Kastanienwanderung, Greifvogelschau, Thermalbad, Schaukäserei, Burgruine, Kürbismarkt, Sommerrodelbahn (letzter Betriebstag!), Kinderkino, zwei Museen und ein „gemütlicher Tag“. Der gemütliche Tag ist der Mittwoch. Am Mittwoch stehen außerdem die Schaukäserei und der Kürbismarkt. Gemütlich bedeutet hier offenbar, dass man zwischen den Programmpunkten nicht rennen muss, nur zügig gehen.

Grummeli kommentiert mit EspressoElf Programmpunkte in fünf Tagen, davon einer ‚gemütlich‘. Ich habe den Urheber dieser Liste notiert. Wenn wir am Donnerstag wieder vor einer Burgruine stehen, weiß ich, wen ich von der Zinne schubse.

Abschnitt 3

Das Wetter

Der Oktober hält sich an keine Prognose. Er macht morgens Nebel, mittags Sonne und um drei Uhr nachmittags einen Platzregen, der genau dann einsetzt, wenn man am weitesten vom Auto entfernt ist. Die Wetter-App hat für den Tag „wechselhaft“ angekündigt, was technisch korrekt ist und praktisch nutzlos. Wer im Herbst plant, plant eigentlich zwei Tage pro Tag: den mit Sonne und den ohne. Das klingt nach doppelter Arbeit. Es ist in Wahrheit die einzige Planung, die im Oktober funktioniert. Der Rest ist Hoffnung mit Regenjacke.

Grummeli kommentiert mit EspressoPrognose: 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Tatsächlich: 100 Prozent, verteilt auf exakt die 40 Minuten zwischen Parkplatz und Burgruine. Ich habe gelacht. Innerlich. Ich war ja auch nass.

Abschnitt 4

Der Laubhaufen

Am dritten Tag, zwischen Greifvogelschau und Thermalbad, liegt neben dem Parkplatz ein Laubhaufen. Er ist ungefähr hüfthoch, rot und gelb, und er kostet nichts. Das Kind springt hinein. Dann noch einmal. Dann springt der Teenager hinein, ohne es zuzugeben, und behauptet hinterher, er sei ausgerutscht. Zwanzig Minuten lang passiert nichts anderes. Niemand schaut auf die Uhr. Abends, als man fragt, was das Schönste am Tag war, sagen beide Kinder: der Laubhaufen. Nicht die Greifvögel, für die man 54 Euro Eintritt bezahlt hat. Der Laubhaufen. Die Person mit der Liste nimmt das tapfer.

Grummeli kommentiert mit EspressoGreifvogelschau: 54 Euro, Bewertung der Kinder ‚ganz okay‘. Laubhaufen: 0 Euro, Bewertung ‚das Beste überhaupt‘. Ich habe die Rechnung dem Listenführer auf das Kopfkissen gelegt. Mit einem Blatt drauf.

Abschnitt 5

Der vierte Tag

Kurze Ferien haben einen Haken: Die Heimreise beginnt im Kopf schon, bevor man richtig angekommen ist. Am vierten Tag denkt jemand laut darüber nach, wann man morgen losfahren muss, damit man nicht in den Rückreiseverkehr kommt. Jemand anderes denkt an die Wäsche, die zu Hause wartet, und an den Montag. Plötzlich ist der vierte Tag eigentlich ein Packtag mit Ausflugsresten. Das lässt sich nicht ganz verhindern. Man kann ihm aber den Wind aus den Segeln nehmen, indem man den letzten vollen Tag bewusst leer lässt — ohne Programmpunkt, ohne Abfahrtsdiskussion. Ein Tag, der nur dazu da ist, noch dort zu sein.

Grummeli kommentiert mit EspressoErste Erwähnung des Rückreiseverkehrs: Tag 2, 19:40 Uhr. Ich habe nicht gefragt, wer es war. Ich weiß es. Es ist dieselbe Person mit der Liste. Sie plant auch das Ende schon voraus.

Was die Herbstferien mit gemeinsamem Planen zu tun haben

Kurze Reisen verzeihen weniger. Jeder Programmpunkt, der zu viel ist, frisst einen spürbaren Anteil der Zeit. Deshalb lohnt es sich gerade bei fünf Tagen, nicht alles zu sammeln, sondern auszuwählen. Eine gute Regel: Jede Person darf einen Wunsch fix machen, der Rest bleibt offen. In planaway sammelt ihr dafür alle Ideen im Pool und stimmt gemeinsam ab, was wirklich in den Plan kommt. Für die Regentage legt ihr einen Plan B daneben — Murmeli schlägt ihn vor, wenn die Wetterlage kippt.

Und der Laubhaufen? Der steht in keinem Plan. Er liegt einfach da. Man muss nur genug Zeit übrig lassen, um ihn zu finden.

Murmeli mit Schirm und Sonnenbrille — bereit für jedes Herbstwetter

Murmeli packt für die Herbstferien einen Schal und einen Plan B. Mehr braucht er nicht.

Grummeli hat alle 74 mitgeführten Gegenstände und die 9 benutzten säuberlich notiert